Samba in der Mangueira

 

Ich staunte, wie gut Rio ausgeschildert war. Selbst Favelas wie die Mangueira zu finden, war mit etwas Ortskenntnis recht einfach. Ich wusste, dass der Favela-Hügel der Mangueira gleich neben dem Maracanã-Stadion lag. Dort war ich bereits zweimal gewesen. Das erste Mal beim Ortsderby Fla-Flu und das zweite Mal wegen einer Dame namens Marta. Aber das war Vergangenheit.

 

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Telefonat mit Grace

Zwei Tage später bekam ich einen Anruf. Die Nummer auf dem Display kannte ich nicht. Sie hatte die Vorwahl 21. Es war also ein Anruf aus Rio. Da es an einem ganz normalen Arbeitstag war, dachte ich, dass es sich um einen Baustellenanruf handelte.

   Es war mein neuer Kumpel Renato aus der Vila Isabel. Er fasste sich kurz. Ich sollte doch mal bei Grace anrufen, ihr ginge es schlecht.

   Ich war besorgt und wartete nicht lange. Am Telefon hörte ich eine vollkommen verheulte Stimme. Die sonst so fröhliche Grace war nicht wiederzuerkennen. Sie erzählte mir, dass sie starke Schmerzen in der Blinddarmgegend hätte. Das Telefongespräch lief in etwa so ab:

-    Oi Grace. Tudo bem?

-    Não.

-    Deine Stimme klingt anders. Was ist passiert?

-    Ich halte es nicht mehr aus vor Schmerzen. Ich kann nicht mehr tanzen und nicht mal mehr laufen. Ich habe Angst, dass mein Blinddarm platzt und ich zu einer Not-OP muss.

 

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Showndown in der Arranco

Als ich am Folgetag kurz vor 11 Uhr Recreio verließ, fühlte ich mich erstaunlich fit. Ich hatte natürlich trotz Graces Anraten nicht vorher geschlafen, was aus meiner Sicht auch Blödsinn gewesen wäre, denn die Gefahr, dass ich um diese Zeit nicht wieder aufwache, war viel zu groß.

   Die Suche nach dem Sambaschuppen war eine Katastrophe. Ich fand zwar recht leicht die richtige Abfahrt von der Linha Amarela und die Avenida Dias da Cruz, doch bevor ich das Restaurant Parmé fand, irrte ich über Einbahnstraßen durch den Stadtteil Meier. Als ich ein paar Jungs auf der Straße Fußball spielen sah, wusste ich, dass es gefährlich wurde.

 

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Mit Grace an der Copacabana

Als ich an der vereinbarten Straßenecke ankam, traute ich meinen Augen nicht. Das war nicht die Grace, die ich zuletzt in der drittklassigen Sambaschule halb besoffen rumhängen sah. Ihre Aura hätte man über Kilometerentfernung wahrnehmen müssen, so wie sie da stand. Sie sah einfach blendend aus. Ihre innere Reinigungsprozedur hatte sich gelohnt. Außen war sie, trotz der weißen Salbungen durch ihre Mãe Santa, noch genau so schwarz wie vorher. Das Einölen ihrer Beine und Arme bekräftigte diesen schwarzen Farbton sogar noch etwas.

   Außerdem hatte sie neues Haar – es war viel dichter und länger. Sie trug es diesmal hochgesteckt. Im Gesicht hatte sie reichlich Rouge und Glitter aufgetragen. Ihre Augenlider hatte sie diesmal mehrfarbig geschminkt ... passend zu ihrer Kleidung. Sie trug ein hautenges Minikleid, darunter einen BH in den Farben der Vila Isabel. Er war bunt bestickt und der obere Teil des BHs war durch den knappen Schnitt des Kleides frei sichtbar. Alles, was sich unterhalb befand, war einfach nur ein Spektakel: ihre schmalen Hüften, der typisch afrikanisch gewölbte Arsch, die durchtrainierten Beine und natürlich wieder ein Paar unglaublich hochhackiger Schuhe, die selbst Grace auf dem ungleichmäßigen Kopfsteinpflaster der Copacabana Schwierigkeiten bereiteten, um nichts von ihrer Eleganz zu verlieren.

 

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Fotos und Texte copyright by Matthias Bergmann